Schöne Stunden in Sedlice


Sedli

Zum Schluss haben alle Teilnehmer am deutsch-tschechischen Klöppel-Ferientag im südböhmischen Sedlice den Schatz gefunden. Nicht nur den, den sie - verpackt in blauen Plastiktüten – fest in Händen hielten. Vielmehr sprach Tiefenbachs Gemeindeoberhaupt Ludwig Prögler vom Schatz der Freundschaft, hat doch der abwechslungsreiche Sonntag dazu beigetragen, dass sich Kinder und Erwachsene beider Länder wieder ein Stück näher gekommen sind.
Und das nicht nur am Klöppelsack. Denn am Vormittag galt es für die Mädchen-Gruppe – Jungs waren leider nicht zu sehen - erst einmal, ihr bisher schon erworbenes Können mit hölzernem Klöppel und feinem Garn unter Beweis zu stellen. Das war gar nicht schwer. Jiri Rod, Bürgermeister von Sedlice, hatte nämlich zusammen mit den örtlichen Klöpplerinnen, an der Spitze Klöppellehrerin Martina Vrbova und deren Mutter Emilie, sowie Dolmetscherin Miroslava Vackova ein absolut kindgerechtes Programm mit großem Spaßfaktor vorbereitet. Das kam sogar bei den erwachsenen Begleiterinnen vom Klöppelkreis Schönsee-Stadlern-Tiefenbach gut an, denn das Zeichnen von einfachen Klöppelbriefen war für sie ebenso eine interessante Neuheit. Sie hatten zusammen mit ihren jungen Schützlingen nicht zum ersten Mal die rund zweistündige Fahrt ins Nachbarland mit angetreten.
Große Augen machten die Damen außerdem, als mit einer zuvor geklöppelten Kette, einem Stab, Garn und gefärbten Kokosfasern wahre Kunstwerke entstanden, die sie so noch nicht gekannt hatten. Egal, die Mädels jedenfalls waren sichtlich stolz auf das Geschaffene und hatten zudem ein nicht alltägliches Mitbringsel für Zuhause.
 Nachdem sich dann alle mit leckerem Schnitzel und Pommes gestärkt hatten, ging’s zum Sportplatz zur Schatzsuche. Auch sie war bestens organisiert. An sieben Stationen warteten die unterschiedlichsten Aufgaben auf die in zwei Gruppen aufgeteilten Teilnehmerinnen, die mit eigens gestalteten T-Shirts ausgestattet wurden. Unter anderem musste mit überdimensionalen Holzklöppeln ein einfaches Muster geklöppelt werden, ein Puzzle galt es zusammenzusetzen oder mit Hilfe von Essstäbchen kleine Steine von einem Behälter in einen anderen  zu bugsieren. Am Ende hatten alle die Aufgaben geschafft. Auch die beiden Bürgermeister. Lediglich mit dem Klöppeln hatten diese ihre liebe Not. Die „Schiedsrichterin“ drückte  aber beide Augen zu und händigte nach einem laut geseufzten „Jessas Maria“ das Kärtchen aus, das den Weg zum Schatz wies.
Verteilt wurde dieser im Rathaus und da gab’s durchwegs strahlende Gesichter. Bürgermeister Rod dankte den Gästen fürs Kommen und drückte die Hoffnung aus, die durch EUREGIO geförderte gemeinsame Ferienaktion möge allen Spaß gemacht haben. Ein schallendes „Ja“ und „Ano“ machten deutlich, dass an diesem Tag keine Wünsche offen geblieben sind.
Tiefenbachs Gemeindeoberhaupt Prögler, der mit Sieglinde Prögler, Sprecherin des Klöppelkreises, wegen eines anderen Termins erst am Mittag nachgekommen war, wollt es nicht versäumen, den tschechischen Freunden für ihre enormen Mühen zu danken. Man habe erneut ein wunderschöner Tag in Sedlice erlebt. Wichtig dabei sei gewesen, dass sich die Kinder beider Länder näher kennen gelernt haben, aber auch, dass bei solchen Gelegenheiten das Kunsthandwerk Klöppeln von der Jugend gepflegt wird. Spätestens zur Biennale im kommenden Jahr werden die Oberpfälzer Klöpplerinnen wieder nach Sedlice reisen. Zuvor finden aber schon zwei Treffen, bei denen das Zeichnen von Klöppelbriefen im Mittelpunkt steht, in Tiefenbach statt. Die alte Tradition des Klöppelns ist somit weiterhin der festigende Kitt für die noch relativ  junge Freundschaft zwischen Tiefenbach und Sedlice.


<< zurück >>