Sie haben die Tiefenbacher Schule geprägt


Abschied

Große Veränderungen kommen auf die Schule in Tiefenbach zu. Die letzte Mittelschulklasse verlässt zum Schuljahresende die Bühne und zwei starke „Zugpferde“ - sprich Lehrkräfte - gehen in den wohlverdienten Ruhestand. Zum einen Schulleiterin Melitta Bittner und der seit über 36 Jahren in Tiefenbach tätige Lehrer Franz Liebl wurden in einer ergreifenden Abschlussfier verabschiedet. Dazu begrüßt die stellvertretende Rektorin Bernadette Unverzart in der Aula der Grund- und Mittelschule Tiefenbach einen ganzer Reigen an Ehrengästen. Neben Schulamtsdirektor Karl Utz und seiner ehemaligen Kollegin Gerda Bräuer aus Cham wohnten die Bürgermeister Ludwig Prögler, Tiefenbach, Helmut Heumann, Treffelstein, und Markus Ackermann aus Waldmünchen der Feier bei. Zu Pfarrer Albert Hölzl gesellte sich sein Kollege und Vorgänger im Amt, Pfarrer Georg Bäuml, und aus Tschechien war Petr Liska von der Partnerschule Štênovice angereist. Zu den ehemaligen Schulleitern Anton Münch und Johann Strasser konnte Frau Unverzart einige ehemalige Lehrkräfte der Schule  willkommen heißen. In Richtung der Angehörigen blickend meinte sie: „Wisst ihr, was jetzt auf euch zukommt? 24 Stunden jeden Tag sind die beiden jetzt zu Hause.“ Nun galt wieder den Schülern die Aufmerksamkeit, denn die Erstklässler kamen als kleine Indianer auf die große Bühne. Diese kleinen Rabauken verrieten so manches Geheimnis der beiden angehenden Pensionäre, welche jetzt die „pädagogischen Jagdgründe“ verlassen. In einer flotten Diashow konnten sich die Gäste einen kleinen Eindruck verschaffen, wie vielfältig die Aktivitäten der beiden Pädagogen waren.
Anschließend schritt Schulleiterin Bittner zum Mikrofon, denn ihre Aufgabe war es, ihren langjährigen, geschätzten Kollegen im Team der Tiefenbacher Schule, Franz Liebl, in den Ruhestand zu entlassen. Sie wies ihn als geschätzten und loyalen Kollegen aus, der das Gesicht dieser Schule wesentlich geprägt hat. Viele Spuren habe er durch seine Kompetenz und sein großes Engagement hinterlassen. In der Öffentlichkeit hinterließ er ein absolut positives Lehrerbild. Er war und ist Vorbild für Kollegen wie Schüler, denen er seine ganze Schaffenskraft widmete. Unablässig motivierte er seine Schüler, egal in welcher Jahrgangsstufe. Acht Abschlussklassen und viele Schüler habe Franz Liebl zu einem erfolgreichen qualifizierten Abschluss geführt und nun im letzten Schuljahr habe er seine 6. Klasse nicht im Halbjahr verlassen, sondern zum Wohl der Schüler und der Schule weitergearbeitet bis zum Schuljahresende. Erst letztes Jahr habe Liebl sein 40-jähriges Dienstjubiläum feiern können und unvergessen ist sein Einsatz für die Schulpartnerschaft mit Štênovice. Als einer der Gründerväter zusammen mit Klaus Rückerl habe er diese internationale Freundschaft immer mit Leben erfüllt und gepflegt. Die Radwochen in Horska Kvilda bleiben sicher den Schülern und uns Lehrkräften in steter Erinnerung. „Wir bedauern sehr, dass er uns verlassen wird und wünschen ihm Gesundheit und Gottes Segen“, sprach die ausscheidende Rektorin Bittner.
Nach der ergreifenden Laudatio von Rektorin Bittner übereichte sie ihm die Entlassungsurkunde zum Schuljahresende, verbunden mit einem herzlichen Dank und den besten Wünschen für die Zukunft.
Franz Liebl sprach von einer ganz besonderen Schule hier in Tiefenbach, "weil halt alles passt". Das kollegiale Lehrerkollegium, die netten Sekretärinnen, das einmalige Hausmeisterteam Vogl, der wohlgesonnene Elternbeirat und eine Partnerschaft mit dem tschechischen Štênovice, die einmalig und wertvoll ist.
Den Tränen nahe war nicht nur Franz Liebl, als Angelina Schwarz aus seiner 6. Klasse das Gedicht „Ein Mensch, den wir besonders schätzen“ vortrug. Darin wünschte auch die gesamte Klasse ihrem Klassenlehrer viel Freude im Ruhestand und dankte für die vertrauensvolle und faire Zeit miteinander.
Jetzt trat Schulamtsdirektor Karl Utz nach vorne und hielt auf die ausscheidende Schulleiterin die gebührende Laudatio. Er überbrachte den Gruß des gesamten Schulamtsteams und begann mit einem deutschen Sprichwort: „Wo deine Gaben liegen, da liegen deine Aufgaben“. Mit Gaben sei diese Pädagogin reich gesegnet. Als Schulleiterin war sie nicht nur engagierte Lehrkraft, denn zusätzlich galt es, Mitarbeiter zu führen mit dem nötigen Durchsetzungsvermögen und Empathie. Ihr sei der Spagat zwischen Vorgesetztem und Kollegen sehr gelungen. In ihrer Akte entdeckte Utz einige unkonventionelle Fortbildungen, wie den Antrag für eine Reise durch den kommunistischen Machtbereich. Jugoslawien war damals das Ziel. Die authentische Lehr- und Schulleiterpersönlichkeit habe mit großer Verantwortung und Begeisterungsfähigkeit hohen Respekt am Schulamt und in der Öffentlichkeit erworben. Ihr mitreißendes Lachen wird die Schule vermissen.Mit den besten Wünschen für die Zukunft, verbunden mit einem großen Dank für ein Leben für die Kinder, übergab Utz an Melitta Bittner die Entlassungsurkunde. Als Geschenk überreichte er den aktuellen gelben Band des Landkreises Cham mit Beiträgen aus Tiefenbach.
Jetzt legten die Schüler der 4. Klasse einen flotten Volkstanz auf das Parkett und erhielten dankbaren Applaus, bevor Bürgermeister Ludwig Prögler berichtete, er fühle sich wie beim Klassentreffen. Würde Melitta Bittners ein Abschlusszeugnis erhalten, so stehe sicher nicht: „Sie habe sich bemüht“ darin. Nein, Prögler ist sich sicher, sie hätte eine eins1 mit Stern verdient. Ihr Beruf sei ihr Berufung gewesen und dies sei etwa in ihrem großen Improvisationstalent bei vielen anstehenden Problemen und Herausforderungen deutlich geworden. Herzlichen Dank sagte er für die große Leistung, die sie an der Schule in Tiefenbach erbracht hat.
Vertrauen zeichne Franz Liebl aus, ob für Kollegen, Vorgesetzte oder seine Schüler, lobte Prögler den ausscheidenden Lehrer. Er habe sich bis zum letzten Arbeitstag für Schule und Kinder eingesetzt und die Stellung der Mittelschule bis zum Schluss gehalten. 36 Jahre sind ein halbes Leben, die Franz Liebl an der Schule in Tiefenbach verbracht und Spuren hinterlassen habe. Da sind die Radwochen und Skiausflüge in bester Erinnerung. Genauso die Abschlussfahrten und das Bobby Car Rennen mit der Partnerschule. „Wir wissen, was wir mit deinem Weggang verlieren“, meinte schweren Herzens der Bürgermeister aus Tiefenbach. Dem schloss sich sein Kollege Helmut Heumann aus Treffelstein an und meinte an Liebl gerichtet, er könne stolz zurückblicken auf ein erfolgreiches Arbeitsleben. Der Schulleiterin Bittner riet er, sie solle all dem nachgehen, für das bisher keine Zeit blieb.
In perfektem Deutsch sprach Petra Liska von der tschechischen Partnerschule Štênovice und richtete die Grüße seiner ganzen Schulfamilie aus. Vielen Dank sagte er beiden zukünftigen Rentnern für die Zeit der Freundschaft. Er glaube fest, dass die gemeinsame Zeit nicht vorbei sei, sondern die Partnerschaft weiterbestehe, und dankte mit Geschenken.
Überraschenden Hochgenuss in Form von klassischer Musik bereitete Fachlehrerin Alena Sanseverino mit einer von ihr gesungenen Opernarie. Dank und Anerkennung überbrachten auch der Elternbeirat und die Klassensprecher aller Klassen. Musikalisch verabschiedete sich die Schulfamilie aus aktuellen und ehemaligen Lehrkräften, Hausmeisterehepaar und Elternbeirat. Klaus Rückerl begleitete auf dem Akkordeon die lustigen Anekdoten. Wieder zum Taschentuch mussten viele greifen, als sich alle Schüler klassenweise mit dem Abschiedslied „Nun ist es soweit“ verabschiedeten. Mit Gottes reichem Segen bedachte Pfarrer Albert Hölzl abschließend diese beiden besonderen Menschen und bat um Schutz und Begleitung auf ihren weiteren Wegen im Ruhestand. Ein schneeweißer Engel soll jeweils zusätzlich Schutz und Geborgenheit vermitteln und dies sei ja genauso in der Pension vonnöten.



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