Kirchlicher Segen für das neue Fahrzeug


Festgottesdienst

Entgegen den guten Wetterprognosen und allen guten Wünschen der Schirmherren öffnete der sonst weiß-blaue Himmel über Schönau seine Schleusen und dies ausgerechnet am Sonntagmorgen, dem Tag der Fahrzeugweihe beim 140-jährigen Gründungsfest der Freiwilligen Feuerwehr Der geplante Feldgottesdienst drohte ins Wasser zu fallen, doch einige unverwüstliche Optimisten sollten Recht behalten und bestanden auf die Messe im Freien. Bereits vor der Aufstellung zum Kirchenzug konnten die zahlreichen Vereine und Gäste trockenen Fußes auf die Wiese am Rand von Schönau ziehen und vor dem Altar Aufstellung nehmen. Gemeindepfarrer Dr. Jan Adrian Lata begrüßte als geistlichen Offiziator Monsigniore Dr. Florian Schuller aus Straßburg bei Augsburg und stellte dessen vielfältigen Aktivitäten als Leiter der Katholischen Akademie in Bayern vor. Mit kräftiger klarer Stimme begrüßte dieser die vielen Feuerwehrkameraden, Vereine und Gäste zu diesem Feldgottesdienst in Schönau und fand sofort die anerkennende Aufmerksamkeit der Festgottesdienstbesucher. Als einen der dümmsten Sprüche bezeichnete er in seiner Predigt „Hl. St. Florian beschütze unser Haus, zünd andere an!“. Damit, so Schuller, tue man dem heiligen Florian als Schutzpatron der Feuerwehren Unrecht. Als Kenner der Geschichte von Bayern ging der Monsigniore auf die Anfänge des Feuerwehrwesens im 18. Jahrhundert ein. Aus früheren Turnvereinen entwickelten sich sogenannte Steigertrupps, die damals noch mit Eimern löschten. Dies forderte damals die Einsatzkräfte körperlich sehr stark, aber auch heute verlangt der Einsatz in den Feuerwehren den ganzen Menschen. Unterstützung kommt etwa in Form eines neuen Tragkraftspritzenfahrzeuges, wie es nun die Feuerwehr Schönau bekommen hat. Doch bei aller Technik bleibt der Mensch unverzichtbar. Dies war 1877 im Gründungsjahr der FFW Schönau so und heute genauso. Den guten Draht zu den Gläubigen nutzte Schuller spontan und fragte, wer den 1877 König von Bayern war. Ludwig II. der Märchenkönig war die richtige Antwort. Auch den richtigen Kaiser Wilhelm galt es zu wissen und Reichskanzler war Bismarck. Nach diesem kurzen Ausflug in die Geschichte Bayerns spannte der Geistliche den Bogen zur Gegenwart und jeder erkannte, wie gewaltig die Veränderungen in diesen doch wenigen 140 Jahren waren. Die Feuerwehr in Schönau hat diese Zeit gut gemeistert und viele weitere gute Jahre wünscht Dr. Florian Schuller der Feuerwehr Schönau für die Zukunft. Als bleibende Erinnerung übergab er dem Festverein eine Florianskerze und entzündet diese am Altar mit den Worten „Gott möge in uns allen die Leidenschaft und Liebe nie erlöschen lassen“. Vor der Segnung des neuen Feuerwehrfahrzeuges bat Pfarrer Schuller um Gottes Segen und dass dieses Auto hilft, Unheil und Schaden von uns Menschen abzuwenden und alle Einsatzkräfte wieder sicher nach Hause bringt. Ausgiebig segnete nun Dr. Schuller das neue Fahrzeug sowie alle Feuerwehrleute und Gottesdienstbesucher. Dazu scheute er nicht den Weg durch die Menschenmassen und vergaß auch die Grenzlandblaskapelle aus Dietersdorf und den Kirchenchor St. Nikolaus aus Weiding nicht. Nach dem Segen für alle Gläubigen und drei Strophen der Bayernhymne endete der Festgottesdienst auf diesem herrlichen Flecken Erde mit einem wunderbaren Ausblick über Schönau.
Zur Schlüsselübergabe trat nun Bürgermeister und Ehrenschirmherr Ludwig Prögler nach vorne und wünschte dazu Kommandant Marco Bittner und seinen Aktiven allzeit gute Fahrt mit dem neuen Fahrzeug. Überwältigt von dem mitreißenden Gottesdienst war ebenfalls Landrat Franz Löffler und er dankte Monsigniore Schuller sehr herzlich. Falls er in Augsburg abkömmlich sei, so Löffler, er wisse gleich mehrere Pfarreien im Landkreis, die auf ihn warten würden. Großes Lob angesichts der vielen Gottesdienstbesucher zollte er den Schönauern, dies sei keineswegs immer so. Er gratuliere der Feuerwehr Schönau zum Jubiläum und zum neuen Fahrzeug und dankte allen ehrenamtlich tätigen Frauen und Männern. Diese Arbeit sei keineswegs selbstverständlich.
Kreisbrandrat Michael Stahl würde gerne Pfarrer Schuller als Feuerwehrpfarrer von ganz Bayern vorschlagen, denn sein Beistand und seine Leidenschaft täten allen Feuerwehrlern gut. Stahl war nun zum dritten Mal als KBR in Schönau und immer wieder kommt und geht er mit einem guten Gefühl und Freude. „Es passt alles in Schönau“ und dies wünschte er der Feuerwehr auch weiterhin. 140 Jahre – eine Mannschaft steht auf dem Festprogramm und dies spüre jeder bei diesem Fest. Gespürt hat jeder Besucher nun auch die wärmenden Sonnenstrahlen, die nun wieder durch den weiß blauen Himmel schienen. Unter den Klängen der Blaskapellen und angeführt vom neuen Tragkraftspritzenfahrzeug der Feuerwehr Schönau marschierten wieder alle zurück zum Festzelt. Hier nutzte Bürgermeister Prögler die Gelegenheit, um ein paar Worte zu den Kosten des neuen Fahrzeuges zu sagen. Die Gesamtkosten für das TSF VW Crafter der Feuerwehr Schönau belaufen sich auf rund 90.000 Euro. Davon trägt die Gemeinde mit 39.350 Euro den Hauptanteil. Das Land Bayern fördert diese Fahrzeuge mit 24.200 Euro und die stolze Summe von 17.000 Euro muss die Schönauer Wehr selbst beisteuern. Deshalb gilt Pröglers Dank auch allen Spendern für die Unterstützung. Als Mitglied des Bundestages gratulierte Karl Hohlmeier der Feuerwehr Schönau zum 140-jährigen Gründungsjubiläum, zum neuen Fahrzeug und zu einer intakten Dorfgemeinschaft sehr herzlich. Ganz Schönau stehe hinter ihrer Feuerwehr und dies sei bei dem beeindruckenden Festgottesdienst zum Ausdruck gekommen. Kaum waren die Grußworte verklungen, öffnete der Himmel wieder seine Schleusen und ein Regenschauer zog über Schönau. Wenn auch nur kurz und so konnten beide Schirmherren beruhigt feststellen: „Gerade noch gutgegangen“.



<< zurück >>