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Zur Bürgerversammlung lud die „Spitzengemeinde“ in den Gasthof Russenbräu ein. Einstieg war ein Film des Bayerischen Rundfunks über das Klöppeln. Bürgermeister Ludwig Prögler konnte dazu zahlreiche interessierte Bürger begrüßen. „Das Spitzenklöppeln im Oberpfälzer Wald mit den Gemeinden Schönsee, Stadlern und Tiefenbach ist nun mal ein wichtiger Teil unserer Kultur- und Sozialgeschichte, an die es immer wieder zu erinnern gilt“, machte das Gemeindeoberhaupt deutlich. „Zum anderen haben wir mit der Aufnahme des Spitzenklöppelns  sowohl ins Bayerische Landesverzeichnis als auch ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes einen Werbefaktor par excellence, mit dem wir auf unsere lebens- und liebenswerte Gemeinde aufmerksam machen können und wollen“.
Bürgermeister Ludwig Prögler informierte nicht nur über die kommunalen Geschehnisse des vergangenen Jahres, sondern auch über die geplanten Objekte im laufenden Jahr. Seine umfangreichen Ausführungen belegte er mit entsprechenden Bildern.
Sein Rückblick begann mit der Einfachen Dorferneuerung, die 2016 in die zweite Runde gegangen ist. Der Baufortschritt um das Areal Alte Schule ist unübersehbar. Es wurden hauptsächlich Tief- und Pflasterarbeiten auf der Freifläche vorm Ludwig-Gebhard-Museum  durchgeführt, ein Mischwasserkanal verlegt, die Zufahrt asphaltiert und die Ecksituation entschärft. Der Bauabschnitt 2 endet bei der Zufahrt zum Pfarrhof. Es ist gelungen, Maßnahmen, die über die Einfache Dorferneuerung nicht gefördert werden, im Projekt „Skulpturenweg“ unterzubringen. Dieser beginnt bei der Kirche und führt bis zum Aufgang des Spaßettl. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf 50 000 Euro und soll über das Förderprogramm LEADER bezuschusst werden. Im Bauabschnitt 3 der Einfachen Dorferneuerung werden folgende Maßnahmen durchgeführt: 1. Neuanlage Treppenaufgang zum Kriegerdenkmal, 2. Weg vom Hauptplatz Schule zur Kirche, 3. Kirchenumgriff und Sicherung sowie Sanierungsarbeiten an der Kirchenmauer, Rückbau der vorderen Treppenanlage und Erstellung eines Unterstellplatzes mit Infotafel und Elektroladestation für E-Bikes. Die Diözese habe sich bereit erklärt, die Maßnahme im Bereich der Kirche (Mauer und Kirchplatz) auf Gemeindegrund mit zu fördern. Erfreulich sei, dass die Gemeinde einen Teil des an der Hauptstraße, unterhalb der Alten Schule gelegenen Grundstückes, erwerben konnte und das darauf stehende Gebäude abgerissen werden könne.
Nach der Sanierung des Daches der Zweifachturnhalle tropfte es ab und zu in die Halle, berichtete Prögler. Zur Lösung des Problems  habe man sich für eine kostengünstige Übergangslösung entschieden. Respekt zollte der Bürgermeister den fleißigen Helfern der FFW Altenschneeberg-Hoffeld, die ein schmuckes, zweckdienliches Gerätehaus gebaut haben. Lediglich zwei kleinere Gewerke des Bauvorhabens wurden an Firmen übergeben, 4914,5 ehrenamtliche Stunden leistete die schlagkräftige Truppe um Kommandant Alfred Vögl und Vorsitzendem Reinhard Jodl. Die Arbeiten für die Abwasseranlage Bauabschnitt 16 für die Ortschaften, Grubhof, Stein, Katzelsried und Irlach sowie die Pumpwerke Grubhof und Stein sind zwischenzeitlich abgerechnet. Dabei wurde die Wasserversorgung in Irlach sowie die Zuleitung zum Hochbehälter  erneuert. Über die Abrechnungsmöglichkeiten muss heuer entschieden werden. Mit dem 2. Bauabschnitt konnten auch die Sanierungsarbeiten an der Kläranlage der Verwaltungsgemeinschaft in Witzelsmühle abgeschlossen werden. Die Brunnenstraße erhielt eine neue Asphaltschicht und die Brückengeländer in Schönau in der Perlbachstraße und Jägerleiten wurden erneuert. In Sachen Breitband hat sich ebenfalls etwas getan. Durch das Programm des Freistaates Bayern können  rund 800 Haushalte mit mindestens 30 Mbit/S im Internet surfen. Mit neuen Glasfaserleitungen durch die Fa. M-Net Telekommunikations GmbH können über das Bundesprogramm die Waldbadstaße/An der Walk, Hammertiefenbach, Altenschneeberg, Stockerlöd, Hannesried/Drath, Außenbereiche Schönau, Lenkenthal und Katzelsried angebunden werden.
Für den allgemeinen Feuerschutz der acht Wehren im Gemeindebereich wurden 49 014 Euro ausgegeben. Die FFW Schönau erhält ein neues Tragkraftspritzenfahrzeug. Mit mehreren Maßnahmen reagierte man auf die Starkregenfälle und die damit verbundenen Überschwemmungen im Juni, bei denen rund 30 Familien, mehr oder weniger gravierend, in Mitleidenschaft gezogen wurden. Die Einlaufschächte in der Irlacher Straße werden vergrößert, zusätzliche Straßeneinläufe in der Waldbadstraße hergestellt, der Graben Rothenbühlweg oberhalb des Baugebiets wurde wieder hergestellt und es sollen zwei 30 Meter breite Grünstreifen angelegt werden. Auch die Grundstückseigentümer sollten hinsichtlich der Bewirtschaftungsmethoden ihre Bereitschaft zum Hochwasserschutz zeigen. Das Unwetter hat aber eindrucksvoll gezeigt, dass die Feuerwehren, der Bauhof und die Bürger sehr gut zusammen gearbeitet und echten Bürgersinn bewiesen, lobte Bürgermeister Prögler und dankte allen.
Mit der Tagespflegeeinrichtung  im einstigen Kaufhaus Wagner  hat Tiefenbach eine sinnvolle und wertvolle Einrichtung vom Bayerischen Roten Kreuz bekommen. Ältere,  hilfsbedürftige  oder einsame Menschen erhalten tagsüber eine professionelle Pflege und Betreuung. Für ihr gelungenes Flurneuordnungsverfahren hat Hannesried im Wettbewerb Land- und Dorfentwicklung einen Sonderpreis erhalten. Im Bereich der Gemarkung Tiefenbach habe sich leider eine deutliche Mehrheit der Grundstückseigentümer gegen ein derartiges Verfahren ausgesprochen. Bürgermeister Prögler dankte allen Vereinen, die sich mit verschiedensten Initiativen in die Gemeinde einbringen. Auch für die ehrenamtliche Betreuung der Flüchtlinge dankte er. In seinen Dank schloss er alle ein, die irgendeiner Weise Vereinsarbeit betreiben, damit tragen sie bei, dass auch in Zukunft die Kinder und Jugendlichen in lebendigen Vereinen bestens aufgehoben sein können. Bestens aufgehoben ist die Jugend auch im offenen Jugendtreff, der in der Alten Schule unter Mitwirkung von etwa 20 Jugendlichen mit 752,5 unentgeltlichen Stunden entstanden ist.
Bürgermeister Prögler sprach auch das Thema Schule an. 109 Schüler besuchen die Grund- und Mittelschule, die ab dem nächsten Schuljahr Grundschule wird. Ändern wird sich auch die Schulleitung, denn Rektorin Melitta Bittner geht mit Ende des Schuljahres in den wohl verdienten Ruhestand. Grund zum Feiern war das 25-jährige Bestehen der Schulpartnerschaft mit Stenovice, aus diesem Anlass fand ein internationales Schulfest statt. Ein guter Kontakt besteht seit ein paar Jahren auch zu den Freunden in Sedlice, Südböhmen, vor allem die Klöpplerinnen und die Feuerwehr pflegen regen Austausch. 55 Kinder besuchen das Haus des Kindes St. Josef. Bürgermeister Prögler lobte engagierte und leistungswillige junge Leute, die sich besonders hervorgetan haben z. B. durch einen hervorragenden Abschuss der Schule oder Ausbildung. Das Geschwisterpaar Eiban aus Irlach hat mit seinem Kurzfilm bei der Berlinale in Berlin einen Preis erhalten, Florian Lacher aus Hoffeld ist Deutschlands bester Zerspannungsmechaniker-Azubi und das Brüderpaar Michael und Dr. Benedikt Müller hat mit einer ausgezeichneten Masterprüfung und der Promotion „Magna cum laude“ auf sich aufmerksam gemacht. Eine besondere Ehrung erfuhren Hans-Christoph Schultze und Sieglinde Prögler mit der Verleihung der Ehrenmedaille der Gemeinde.
Die Gemeinde Tiefenbach ist nach wie vor bestrebt, den Tourismus zu stärken. Ein großer Pluspunkt ist die schöne Landschaft, das ist auch daran zu sehen, dass die geführten Wanderungen sehr gerne angenommen werden. Ein weiteres Plus ist die ausgezeichnete Gastronomie. Ein großer Schatz, der Silbersee mit seinem Rundwanderweg, das Waldbad und die geplante Aufwertung des Aussichtspunktes Schlosshügel sind weitere attraktive Bausteine.
Wichtige Weichen sind für das Jahr 2017 im Bereich der Straßenerneuerung gestellt worden. Die Maßnahme „Landwirtschaftliches Kernwegenetz“ beschäftigt die Gemeinde schon längere Zeit, bereits begonnen wurde die Erneuerung der Gemeindeverbindungsstraße zwischen Plößhöfe und Irlach. Eine weitere wichtige Aufgabe ist die Erneuerung der Wasserzuleitung von der Quelle im Frauensteingebiet  zum Hochbehälter in Altenschneeberg. Dabei wird ein PE-Rohr in das bestehende Asbest-Zementrohr eingeführt.
„Tiefenbach bekommt einen Hotspot“,  verkündete Bürgermeister Prögler, so dass ein kostenloser WLAN-Zugang ins Internet möglich wird. Der geplante Standort ist auf dem Aufenthaltsplatz vor der Alten Schule. Ein Grund zum Feiern ist zudem das Jubiläum 110 Jahre Klöppelschule Tiefenbach. In diesem Zusammenhang wies er auf die Ausstellung „Die Spitze im Wandel der Zeit“ vom 12. bis 18. Juni und der dazugehörigen Modenschau am 16. Juni, unter anderem mit Beteiligung aus Sedlice, hin. Am 2. Juni besucht Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle die Gemeinde. Grund dafür ist die Aufnahme des Spitzenklöppelns im Oberpfälzer Wald in die Landesliste Bayern und die Bundesliste. Für diejenigen, die viel im Wald unterwegs sind, sind die eingerichteten forstlichen Rettungspunkte von Bedeutung. Hierbei handelt es sich um definierte Orte im Wald, zu denen im Falle eines Unfalls schnell der Rettungsdienst kommen kann.
Der Haushalt 2017 ist erneut von großer Sparsamkeit geprägt. Erfreulich sind  der Anstieg bei den Schlüsselzuweisungen und der Rückgang bei der Kreisumlage. Die Gewerbesteuer beträgt rund 450.000 € und ist somit eine feste Größe im Haushalt. Seit 2014 baut die Gemeinde kontinuierlich ihre Pro-Kopf-Verschuldung ab.
Ein großes Aushängeschild der Gemeinde ist die Kulturarbeit. Die beiden Museen, das Klöppelmuseum und das Ludwig-Gebhard-Museum, locken immer wieder Gäste aus einem weiten Umkreis in die Gemeinde. Auch das Spaßettl ist ein wertvoller und unverzichtbarer Kulturträger der Gemeinde. Die Mitarbeiter des gemeindlichen Archivs sorgen dafür, dass die Geschichte nicht in Vergessenheit gerät. Dafür und für die ehrenamtliche Betreuung des Klöppelmuseums sagte er ihnen und dem Klöppelkreis ein herzliches Dankeschön. 53 Musikschüler aus der Gemeinde besuchen die Landkreismusikschule Cham und werden mit 9.420 € unterstützt.
Sorgen bereitet dem Bürgermeister nach wie vor die Bevölkerungsentwicklung. 1945 Personen haben in der Gemeinde ihren Erst-, 172 ihren Nebenwohnsitz. Geburten gab es im Vorjahr 13, Sterbefälle 25, Zuzüge 65 und 85 Wegzüge. Prögler sprach die Ursachen an, die dazu führen, dass relativ wenig Neubürger sich in der Gemeinde Tiefenbach niederlassen. Die paar Kilometer bis zur Bundesstraße „tun weh“. Doch als Grundzentrum sei man gut aufgestellt und könne alles bieten, was zur Daseinsvorsorge gehört. Deshalb setzt er auf die jungen Leute, denen es hier bei uns gut gefällt und die hier leben wollen. Für Interessierte können die Gemeinde und Privatpersonen mehrere Bauplätze anbieten.
„Wir sind einen guten Schritt vorangekommen“, schloss Bürgermeister Ludwig Prögler seine Ausführungen. Er dankte allen, die sich ehrenamtlich und uneigennützig einsetzen, dabei auch dem Gemeinderat, der Verwaltung und den Mitarbeitern in den gemeindlichen Einrichtungen. Beim Personal hat es Änderungen gegeben: Johanna Weingärtner, tätig am Wertstoffhof, ging in den Ruhestand, ihr Nachfolger ist Georg Grauvogel, ebenso ist jetzt Andreas Herrlein Rentner, seine Nachfolge als Beschäftigter des Bauhofes trat Christian Zilk an. Bürgermeister Ludwig Prögler bot abschließend an, sich bei Ideen, Fragen oder auch Kritik jederzeit an ihn, den Gemeinderat oder die Verwaltung zu wenden. „Die Rathaustür steht jeden offen.“ 

 
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